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Fortsetzung Teil 7

Am nächsten Tag fuhren wir dann zurück nach Sukhothai. Während der Autofahrt sagte ich meiner Frau, dass sie unbedingt noch dem Bauleiter absagen müsse, damit er unseren Hausbau aus seiner Terminplanung raus nehme. Meine Frau hatte Bedenken, dass dies zu einem Gesichtsverlust führen würde und ihre Familie damit schlecht dastehen würde.

Ihre Familie hatte allerdings mit dem Bauleiter sowieso nichts zu tun. Auch nicht in der Vergangenheit. Außerdem wies ich darauf hin, dass der gemietete Bungalow unbedingt gekündigt werden müsse. Sie wandte ein, dass damit die Kaution verloren ginge. Was scherte mich der Verlust von 2000 Baht gegenüber dem schönen Haus, das wir ab 01.09.2011 beziehen würden. Für die Strecke von Chiangmai nach Sukhothai brauchten wir gut vier Stunden. Als wir in Sukhothai ankamen, gingen wir zuerst einmal bei unserem Chinesen essen. Als wir anschließend zu unserem Bungalow fuhren, sahen wir noch vereinzelt Stellen, bei denen das Hochwasser noch nicht zurückgegangen war. Auf dem Parkplatz des Bungalows angekommen, stellten wir fest, dass der Hund, der uns sonst immer so freudig begrüßte, nicht mehr da war.

Es war nicht unser eigener Hund, sondern eine streunende Hündin, die niemanden gehörte, die wir mit etwas Futter aufgepäppelt hatten. Es hatte einige Zeit gedauert, bis sie ihre Scheu vor uns verloren hatte und sich streicheln lies. Irgendwann spielte sie mit mir und hielt dann sogar nachts Wache vor unserem Bungalow. Ich machte mir Sorgen um sie und ging, nachdem ich das Gepäck in den Bungalow gebracht hatte, auf die Suche nach ihr. Unter einer Müllhalde aus Brettern, Stangen und einem alten Fahrrad fand ich sie dann. Sie hatte fünf Junge bekommen, die in einer Nische auf dem Betonboden lagen und fiepten. Die Hündin kam schwanzwedelnd angelaufen und bekam von mir natürlich ein paar Streicheleinheiten. Als ich meiner Frau davon erzählte, war der Aufruhr groß. Sofort wollte sie die Jungen sehen. Aber es gab da nicht allzu viel zu sehen, denn sie waren immerhin etwas versteckt. Meine Frau nahm eine alte Decke, die sie auf der Müllhalde gefunden hatte, und breitete sie auf dem Betonboden aus. Dann beschaffte sie einen leeren 5l-Wasserbehälter und halbierte diesen mit einem Messer. Darin kippte sie dann Wasser und stellte ihn auf die Decke. In der Zwischenzeit besorgte ich Hundefutter aus unserem Bungalow und stellte dieses neben den Wassernapf. Jetzt mussten wir nur noch die Jungen aus der Nische einsammeln und sie auf die Decke bringen. Die Hündin war davon nicht begeistert, sondern wieselte immer wieder nervös dazwischen herum. Nach einiger Zeit lagen dann die fünf Welpen doch letztendlich auf der Decke und die Mutter konnte sich wieder mit ihnen auseinandersetzen. Wir ließen sie in Ruhe und gingen in unseren Bungalow. Da meine Frau von Natur aus neugierig ist, musste sie natürlich von Zeit zu Zeit nach den Hunden sehen.

Nachdem wir unsere Koffer ausgeräumt hatten, gingen wir früh schlafen. In der Nacht wurde ich durch ein starkes Winseln wach und konnte es im ersten Moment überhaupt nicht zuordnen. Da ich mit einem Beatmungsgerät und gleichzeitig mit Ohrstöpseln schlafe, muss das Winseln schon sehr laut gewesen sein. Nachdem ich mich nun wieder gefasst hatte und die Situation realisierte, sprang ich wie von einer Tarantel gestochen auf und lief zu den Hunden. Ein Welpe hatte sich in den Speichen eines alten Fahrrads verklemmt und fiepte gotterbärmlich. Vorsichtig habe ich es aus der misslichen Lage befreit und legte es wieder auf seine Decke. Die Mutter kam schwanzwedelnd zu mir.

Danach ging ich wieder zu unseren Bungalow, um die unterbrochene Nachtruhe fortzusetzen. Meine Frau hat nichts davon mitbekommen, obwohl sie immer behauptet, sie würde schlecht schlafen. Am nächsten Morgen habe ich ihr von der nächtlichen Aktion erzählt. Damit so etwas nicht nochmals passieren konnte, hatte ich vor, die Müllhalde umgehend aufzuräumen. Wir fuhren zuerst essen und dann zur Bank um den aktuellen Eurokurs zu erfahren. Durch die starken Turbulenzen im Euroraum ist das Umtauschen von Euro in Baht inzwischen ein Lotteriespiel geworden. Meine Devise lautete, kein Umtausch, wenn es nicht mindestens 43 Baht für einen Euro gibt. Dies war aber bisher nur an sehr wenigen Tagen seit unserem Eintreffen in Thailand der Fall gewesen. An diesen wenigen Tagen habe ich dann meine mitgebrachten und beim Zoll angemeldeten Euros in Baht umgetauscht und das Geld auf unser Bankkonto eingezahlt. Das Problem des schlechten Umtauschkurses macht vielen Farangs das Leben in Thailand schwer.

Nach dem Bankbesuch ließen wir dann das Auto waschen. In Deutschland fährt man den Wagen vorn in eine Waschanlage hinein und irgendwann kommt er dann, wenigstens außen sauber gewaschen, wieder raus. Personal ist aus Kostengründen nur selten vorhanden. Hier in Thailand wimmelt es hingegen nur so von Personal. Den Ablauf einer solchen Autowäsche muss man sich wie folgt vorstellen. Zuerst wird der Wagen vom Personal auf eine erhöhte Betonrampe gefahren. Hier wird mit einem starken Wasserstrahl, wie bei einem Hochdruckreiniger, der Unterboden komplett gewaschen. Danach wird er von der Betonrampe auf den Waschplatz gefahren und eingeschäumt. Von Hand wird er dann mit diesem Schaum unter Einsatz von Schwämmen gereinigt. Anschließend wird er mit einem Wasserstrahl abgespritzt. Danach kommt die Motorwäsche dran. Auch hier wird nicht am Wasser gespart. Wenn dies erledigt ist, wird der Motorraum mit Pressluft getrocknet. Dann wird der Wagen auf den Trockenplatz gefahren und außen komplett mit Handtüchern abgetrocknet. Anschließend wird die Innenreinigung in Angriff genommen. Sie beinhaltet, staubsaugen einschließlich Kofferraum, die Reinigung der Fenster, des Armaturenbrettes und der Sitze. Zu guter Letzt werden noch die Reifen mit einem Glanzmittel versehen. Für den kompletten Waschvorgang muss man eine Stunde Zeit einrechnen. Insgesamt werkeln mindestens zehn Personen am Wagen herum. Der Preis liegt bei 120 Baht, als umgerechnet nicht ganz 3 Euro.
Als wir wieder zu Hause waren, begann ich damit, die Müllhalde aufzuräumen. Was hier in Thailand alles aufgehoben wird, ist für uns nicht vorstellbar. Da Thais sehr kreativ sind, wird vieles was wir als Müll betrachten würden, immer noch irgendwie weiterverarbeitet. Beim Aufräumen ging es mir nur darum, dass es keine Nischen etc. mehr geben sollte, in denen sich die Welpen irgendwie verstecken könnten. Nach gut einer Stunde war auch dieses Thema endlich erledigt. Nun blieb nur noch zu hoffen, dass die Welpen nicht doch noch irgendwo ein Schlupfloch finden würden.

Neben dem Bungalow, auf dem gleichen Gelände, befand sich noch ein Apartmenthaus. Dort wohnten junge Leute, die zur Universität oder auf einer höheren Schule gingen. Die Apartments waren sehr spartanisch eingerichtet und hatten, einschließlich Toilette und Dusche, eine Größe von maximal 16 m². In jedem Apartment waren mindestens zwei Bewohner untergebracht. Hier spielten sich teilweise groteske Begebenheiten zu. Unter den Bewohnern waren auch junge Paare, die sich manchmal sehr heftig stritten. Viele Thaimänner neigen dazu, die Treue nicht so genau zu nehmen. Wenn eine Thaifrau dann von deren Untreue erfährt, bricht meist ein sehr heftiger Streit aus. Solche Szenen spielen sich meistens nachts ab. Dann empfindet man solch ein Geschrei als besonders laut. Schnell tauchen dann auch noch irgendwelche Verwandten auf. Die Bude wird schnell ausgeräumt und die Thaifrau verschwindet lauthals. Den Vermieter interessiert so etwas in keiner Weise. Für ihn ist es nur wichtig, dass die Miete rechtzeitig bezahlt wird. Sollte dies nicht der Fall sein, geht er meistens sehr rabiat vor. Junge Frauen, die den Nachbarbungalow gemietet hatten, hatten versäumt, ihre Miete zu zahlen. Einige Tage später gab es dann einen fürchterlichen Lärm. Der Vermieter hatte die jungen Leute abends aus ihrem Bungalow geworfen und ihr Moped einkassiert. Außerdem hatte er sofort ein neues Schloss einbauen lasen. Die von den jungen Leuten herbeigerufene Polizei unternahm nichts dagegen. Sie gab nur den Rat, die Miete zu zahlen. Dann könnten sie auch das Moped bei der Vermieterin wieder abholen. Die Rechte der Mieter sind in keiner Weise mit dem deutschen Mietrecht zu vergleichen.

Bei dieser Gelegenheit erinnerte ich meine Frau daran, dem Vermieter des Bungalows zu kündigen. Warum sie dies nicht schon längst erledigt hatte, blieb mir ein Rätsel. Sie hat immerhin die Handynummer und ein Anruf dauert auch nur wenige Minuten. Dass wir die Kaution verlieren würden, war mir bekannt. Außerdem sollte sie den Bauleiter anrufen, um den Bau in Sukhothai abzusagen. Es kam natürlich wieder die Geschichte mit dem Gesichtsverlust aufs Tablett. Aber es nützte doch alles nichts, auch hier würde ein kurzes Telefonat ausreichen. Da ich inzwischen diese Endlosdebatten satthatte, wollte ich nicht mehr nachhaken. Was auch immer passieren würde, ich würde am ersten September, in Chiangmai, in das gemietete Haus einziehen. Wenn man sich auf so etwas richtig freut, vergehen die verbleibenden Tage sehr langsam. Es gab ja nichts Besonderes zu tun und in Sukhothai konnte man auch nichts Großartiges unternehmen. Einige Sachen, die wir nicht mit unserem Auto nach Chiangmai mitnehmen konnten, deponierten wir bei meiner Schwägerin, die in der unmittelbaren Nähe unseres Grundstücks wohnte. Außerdem entnahmen wir dem Container die Gesundheitsmatratzen und lagerten auch diese bei der Schwägerin.

Im Internet hatte ich zwischenzeitlich ein Inserat geschaltet, um den Transport von Sukhothai nach Chiangmai, für die zwischengelagerten Dinge, zum ersten September einzuleiten. Die Resonanz war dürftig. Nur ein Farang meldete sich, teilte aber gleich mit, dass dies nur am 31.August möglich sei. Die Kosten würden nur die Höhe des Benzinpreises sein, da der Kleintransporter, kommend aus Bangkok, nur halb voll wäre. Gleichzeitig bat er um die Colli-Liste, sowie die Ab.- und Anlieferadresse. Die Unterlagen schickte ich ihm sofort per E-Mail und erklärte auch, dass der vorgezogene Termin in Ordnung ginge. Ich möchte nicht weiter darauf eingehen, was sich dann abspielte. Nur soviel. Es sind nicht immer nur Thais, die einen über den Tisch ziehen wollen. Farangs untereinander sind da noch teilweise noch einfallsreicher. Meiner Ansicht sollte man, wenn man schon mehr als 10 000 km von zu Hause weg ist, aufeinander zugehen und ins Gespräch kommen. Es muss ja nicht gleich eine innige Liebe oder Freundschaft daraus werden. Alleine schon, dass man seine Muttersprache wieder einmal hört und die Geschichten eines anderen Farangs aufnehmen kann, ist doch eigentlich ein kleines Geschenk. Vermutlich sehen das die wenigsten Farangs genauso wie ich. Kurzum, aus dem Auftrag zum Transport wurde es nichts. Es wäre auch zu schön gewesen. Tragisch ist es allerdings auch nicht.

Gut zwei Wochen vor unserer Abreise, kam über Nacht, das Hochwasser wieder zurück. Es war so heftig, dass wir in unserem Bungalow regelrecht gefangen waren. Bei meiner Frau brach Panik aus. Wir hatten zwar ein paar Getränke im Bungalow, aber eben nicht genug Lebensmittel. Wir hatten nur Kekse und ein paar Naschereien. Zudem stand uns ohnehin keine Kochgelegenheit zur Verfügung, womit wir gezwungen waren, jeden Tag mindestens einmal Essen zu gehen. Nun war guter Rat teuer. Ich konnte, aufgrund meiner Behinderungen, nicht durchs Hochwasser laufen. Also musste meine Frau diesen Part übernehmen. Als sie das erste Mal losging, dauerte es Stunden, bis sie wieder zurückkehrte. Sie watete von unserem Bungalow aus, zuerst durch eine kleine Seitenstraße, bis zur Hauptstraße, durchs Hochwasser. Dort angekommen musste sie dann auf ein Militärfahrzeug warten, das die Bewohner dann in die trockene Stadt, mit dem Markt und all seinen anderen Einkaufsmöglichkeiten brachte. Wer schon einmal durchs hohe Wasser gewatet ist, weiß, wie anstrengend dies ist. Von der Geruchsbelästigung des verunreinigten Wassers ganz zu schweigen. An der Hauptstraße wurden Basisstationen für die von Hochwasser betroffenen Bürger eingerichtet. Freiwillige Helfer waren dort stationiert und leiteten bei einem Hilferuf alles in die Wege, damit den in Not geratenen Bürgern geholfen werden konnte. Außerdem gab es an diesen Stationen kostenlos, hohe Gummistiefel. Meine Frau brachte auch mir gleich welche mit. Was ich allerdings damit sollte, blieb mir ein Rätsel. Meine Frau erzählte mir ausführlich, was sie so alles erlebt hatte und wie lange es gedauert hätte, bis endlich ein Militärfahrzeug gekommen sei. Da sie sehr erschöpft wirkte, umarmte ich sie erst einmal innig, drückte sie und sprach ihr meinen Dank aus. Mit größter Wahrscheinlichkeit würde sie an den nächsten Tagen diese Tortur täglich wiederholen müssen. Und so kam es denn auch. Jeden Tag die gleiche Prozedur. Leider konnte ich ihr dabei nicht helfen. Nach wenigen Tagen, als sie wieder einmal zurückkam, hatte sie furchtbar schlechte Laune.

Sie brauste auf und meinte, in der Stadt ginge das Gerücht um, der Bürgermeister hätte viel Geld in seine eigene Tasche gesteckt. Die Regierung in Bangkok hätte viele Millionen Baht an die entsprechenden Bürgermeister, der vom Hochwasser betroffenen Städte ausgezahlt, aber bei den armen Leuten käme nichts an. In Sukhothai gäbe es an den Basisstationen nicht einmal Reis für die vom Hochwasser betroffenen Leute. Sie schimpfte und wetterte immer weiter. Ich fragte sie, warum die Bürger denn erst vor einigen Tagen diesen Bürgermeister wiedergewählt hätten. Eine erhellende Antwort bekam ich darauf nicht. Bei Krisensituationen, egal in welchem Teil der Erde, habe ich immer den Eindruck, dass von den Hilfsgeldern oft nur ein kleiner Teil bei den armen Leuten ankommt. In Thailand scheint dies, sollten die Gerüchte zutreffend sein, leider auch nicht anders zu sein. Es ist immer wieder von Korruption in Thailand zu lesen. Demnach soll diese in allen Bereichen, am schlimmsten bei den Staatsdienern, sprich der Polizei, sein. Wenn ein Polizist allerdings nicht genug verdient um seine Familie zu ernähren, sollte man darüber allerdings auch nicht verwundert sein. Erstaunlich ist, dass Thailand von einer Regierung geführt wird, die laut Welt http://www.welt.de/politik/ausland/article13631931/Thailand-leistet-sich-Millionaere-in-Regierung.html zum überwiegenden Teil aus Millionären besteht. Ob diese tatsächlich die Interessen der einfachen Leute vertreten, halte ich für diskussionswürdig. Da ich als Gast in diesem Land bin, will ich mich zu den politischen Belangen dieses Landes nicht weiter äußern. Wenn man mit offenen Augen und feinem Gespür, das Leben und Treiben hier analysiert und sich zurückhaltend verhält, kann man ohne anzuecken in Frieden leben. Man muss sich dabei nicht unbedingt so leichtsinnig verhalten wie z. B. dies viele Einheimischen im Straßenverkehr praktizieren.

Nachdem nun einige Tage ins Land gegangen waren und wir vom Hochwasser immer noch abgeschnitten waren, fragte mich meine Frau, was wir denn machen würden, wenn das Hochwasser bis zum ersten September immer noch nicht weg sei. Ich antwortete, es sei noch eine Woche Zeit und ich würde mir gegebenenfalls schon etwas einfallen lassen. Mit dieser Antwort war sie allerdings nicht zufrieden. Aber ich wollte darüber nicht weiter diskutieren. Seit ein paar Tagen hatte es nicht geregnet und als Optimist wollte ich mir über ungelegte Eier nicht den Kopf zerbrechen. Jeden Tag bin ich mindestens zweimal im Apartmenthaus, in die obere Etage hinaufgestiegen, da ich von dort oben einen guten Rundumblick über die Hochwasserlage hatte. In dieser schmutzigen Brühe spielten Kinder mit voller Begeisterung. Welche Krankheitsherde sich in dieser Brühe versteckten, konnte man nur erahnen. Die Geschäfte hatten trotz Hochwasser geöffnet und das Personal saß auf Sandsäcken und wartete auf die Kundschaft. Da nur Pick-ups, Lkws und Busse fahren konnten, kann ich mir nicht vorstellen, dass dort viel Kundschaft eingekehrt ist. In unserem Apartmenthaus haben während des Hochwassers, auch nur zwei oder drei Leute gewohnt. Die jungen Leute hatten alle nur Mopeds, die sie während des Hochwassers nicht fahren konnten. Die junge Frau mit ihren vier Kindern, die neben uns im Bungalow wohnte, zog zur ungeliebten Schwiegermutter, damit die Kinder zur Schule und sie zur Arbeit gehen konnten. In unserem Umfeld wurde es ungewöhnlich ruhig. Da wir nicht einmal einen Fernsehapparat hatten, wurde uns sehr langweilig. Die einzige Abwechslung war das Internet. Dieses fiel bei diesem Hochwasser allerdings sehr häufig aus. Aber irgendwie gingen die Tage doch noch vorbei. Drei Tage vor unserer Abreise fiel der Pegel des Hochwassers stündlich. Es hatte fast nicht mehr geregnet und die Sonne schien kräftig. Da mein Schwager einen Pick-up hatte, baten wir ihn, den Kühlschrank und einen kleinen Tisch mit zwei Stühlen, bei uns abzuholen und mit uns zur Schwägerin zu bringen. Nachdem wir bei der Schwägerin ankamen, luden wir den mitgebrachten Hausrat ab und stellten ihn zu den anderen Sachen, die später nach Chiangmai geliefert werden sollten. Meine Frau, der Schwager und die Schwägerin setzten sich zusammen und aßen erst einmal etwas. Ich machte mich aus dem Staub und ging zum kleinen Krämerladen, in der Nähe unseres Grundstücks und bestellte mir eine kalte Cola. Die Besitzerin des Krämerladens fragte mich, wo meine Frau sei. Nachdem ich ihr stotternd, mit meinen geringen Thaikenntnissen klarmachte, dass sie im Haus ihrer Schwester sei, ließ sie mich in Ruhe. Nach kurzer Zeit kamen dann noch ein paar neugierige Nachbarn und setzten sich mit dazu. Dann ging das Geschnatter los und ich stellte meine Ohren auf Durchzug. Aus reiner Verzweiflung bestellte ich noch eine weitere Cola. Ob ich nun bei meiner, mit dem Essen beschäftigte Familie, oder hier im Krämerladen war, in beiden Fällen würde ich von dem Gerede sowieso nichts verstehen. Irgendwie wollte ich nur die Zeit totschlagen. Glücklicherweise unterbrach ein Telefonanruf die gähnende Langeweile. Der Farang, der uns bei der Anmietung unseres Hauses in Chiangmai geholfen hatte, rief an und erzählte, dass der Mieter schon ausgezogen sei und somit unserem Einzug zum ersten September nichts mehr im Wege stehen würde. Momentan sei eine Putzkolonne mit der Reinigung des Objektes beschäftigt. Wir unterhielten uns am Telefon noch eine Weile über die verschiedensten Themen, bevor wir uns verabschiedeten. Nachdem ich nun zwei Stunden Zeit im Krämerladen totgeschlagen hatte, ging ich zurück. Meiner Frau erzählte ich vom Telefongespräch und fragte, wann wir wieder zurück zu unserem Bungalow fahren würden. Sie sagte mir, dass sie noch etwas Zeit mit ihrer Familie verbringen wolle und es daher noch etwas dauern könnte. Ich fügte mich in mein Schicksal und wartete geduldig ab. Irgendwann war es dann tatsächlich soweit und wir fuhren wieder zu unserem Bungalow zurück. Ich frug meine Frau, ob sie sich von ihrer Schwester verabschiedet hätte, da ich nicht vorhatte, am Tag der Abreise noch einmal dort vorbeizufahren und die Zeit mit gemeinschaftlichem Essen und ausschweifender Unterhaltung zu verplempern. Dazu hatte ich einfach keine Lust mehr. Meine Frau war daraufhin sehr niedergeschlagen.

Am nächsten Morgen war das Hochwasser soweit zurückgegangen, dass wir versuchen konnten, mit unserem Auto zum Essen zu fahren. Bevor wir aber losfuhren, kam ein Pick-up auf unseren Parkplatz. Einige Leute stiegen aus und gingen zu unserem Hund mit seinen Welpen. Sie trugen alle Tiere zum Pick-up. Meine Frau fragte nach, was jetzt mit ihnen geschehen würde. Die Leute beruhigten meine Frau und sagten ihr, dass die Hunde auf das Grundstück der Mutter kämen, da es dort kein Hochwasser gebe. Dies war für mich eine ganz neue Erfahrung, da die meisten Thais, meiner Erfahrung nach, mit Tieren keine großen Umstände machen. Zumal sie niemanden gehörten. Für uns war es beruhigend zu wissen, dass sie gut unterkommen waren.

Nun wollten wir zum Essen fahren. Allerdings war unser Stammrestaurant wegen Hochwassers noch nicht erreichbar. Also musste wieder unser Chinarestaurant herhalten. Mit meiner Frau besprach ich dann, dass wir danach schon einmal das Auto beladen sollten. Bei dieser Gelegenheit fragte ich nur so aus Neugierde, ob der Bungalow schon gekündigt sei und ob sie dem Bauleiter inzwischen abgesagt hätte. Den Bungalow hatte sie tatsächlich gekündigt, den Bauleiter hatte sie allerdings noch nicht angerufen. Blubber, blubber, Gesichtsverlust, meine arme Familie…. Mir sollte es egal sein, wir hatten immerhin nie einen Vertrag abgeschlossen. Es handelte sich bisher immer nur um mündliche Vorverhandlungen. Nach dem Essen kaufte meine Frau auf dem Markt noch eine Kleinigkeit ein, dann fuhren wir zum Packen zu unserem Bungalow. Am Ende der Packerei zeichnete sich ab, dass wir doch nicht alles ins Auto bekommen würden. Somit musste der Rest bei der Schwägerin auch noch zwischengelagert werden. Da war die Freude, bei meiner Frau groß, denn nun mussten wir zwangsläufig am nächsten Morgen, bei ihr vorbeifahren. Sie rief mit dem Handy ihren Bruder an und bat ihn am nächsten Morgen vorbeizukommen, um die Sachen zum Zwischenlagern bei ihrer Schwester aufzuladen. Auf meinem Handy stellte ich dann die Weckzeit für den nächsten Morgen so ein, dass wir beim ersten Hahnenschrei aufstehen mussten. Wir gingen an diesem Abend sehr früh zu Bett und ich spürte die Vorfreude, dass ich morgen in unserem neuen Haus schlafen würde. Meine Frau war da noch etwas verhaltener. Sie beschäftigte sich mit dem Gedanken, dass ihre Familie dann weiter weg wäre. Ich schlief sehr unruhig, aber unser Wecker störte sich nicht daran. Brutal erinnerte er uns, dass wir so früh aufstehen wollten. Wenn es uns auch noch so schwer fiel, wir mussten uns aus dem Bett quälen. Eine Dusche weckt bekanntlich alle Lebensgeister. So weckten wir also unsere Lebensgeister, um uns anschließend für die Reise fertig anzuziehen. Meine Frau verstaute die restlichen Sachen im Wagen und rief ihren Bruder an, damit die Sachen, die wir nicht mitnehmen, konnten in seinen Pick-up zu ihrer Schwester transportiert würden. Währenddessen montierte ich das Warmwassergerät ab und verstaute es zusammen mit dem Werkzeug in unser Auto. Meine Frau kam auf die glorreiche Idee, dass das Elektrokabel und der Hauptschalter des Warmwassergeräts, auch noch abmontiert werden sollten. Ich lehnte diesen Vorschlag ab, da die sauber verlegte Leitung, vom Nachmieter sonst wieder neu installiert werden müsse. Zwischenzeitlich kam der Vermieter und nahm den Bungalow ab. Er nahm die Schlüssel entgegen, ließ den Bungalow zum Lüften aber noch offen. Mein Schwager war in der Zwischenzeit, aus welchen Gründen auch immer, noch nicht eingetroffen. Die Entfernung vom Bungalow zu seinem Haus entsprach maximal zwei Minuten Fahrzeit. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als meine Frau doch tatsächlich auch den Bauleiter anrief, um ihm abzusagen. Einige Zeit später trödelte nun doch noch tatsächlich der Schwager ein und meine Frau verstaute zusammen mit ihm die restlichen Sachen in seinem Pick-up. Zwischenzeitlich kontrollierte ich im Bungalow, ob wir tatsächlich nichts vergessen hatten. Dabei fiel mir auf, dass das Elektrokabel für das Warmwassergerät inzwischen entfernt worden war und sich dafür tiefe Löcher an den Stellen befanden, an den vorher die Kabelschellen waren. Wer dieses Kabel nun doch noch entfernt hatte, war mir eigentlich egal. Hauptsache der Vermieter hatte den Bungalow abgenommen. Die Kaution verloren wir ohnehin, da wir die vereinbarte Mietdauer nicht einhielten. Da wir noch einen weiten Weg vor uns hatten, drängte ich zur Abfahrt. Es stand noch das Essen bei meiner Schwägerin sowie das Einlagern der Sachen, die wir nicht mitnehmen konnten, an. Meine Frau wollte mit ihrem Bruder mitfahren, somit fuhr ich alleine zur Schwägerin. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam dann auch meine Frau mit ihrem Bruder dort an.

Ich sagte ihr, dass ich in einer Stunde wieder da sei und ich dann mit, oder auch ohne sie nach Chiangmai losfahren würde. Ich hatte keine Lust aufs Essen und dem Gequatsche, von dem ich sowieso nichts verstand. Ohnehin habe ich die Angewohnheit vor langen Fahrten nichts zu essen. Ich lief zum Krämerladen und trank dort in aller Ruhe eine gut gekühlte Cola. Da es noch recht früh war, blieb ich von den neugierigen Nachbarn verschont. Selbst die Besitzerin war noch etwas müde. Nach gut einer Stunde lief ich dann wieder zurück zum Haus meiner Schwägerin. Natürlich war die Familie noch beim Essen und die Sachen lagen auch noch auf dem Pick-up. Leicht säuerlich sagte ich meiner Frau, dass ich jetzt nach Chiangmai losfahren würde. Nun kam wieder einer ihrer Standardsätze „Liebling noch 10 Minuten“. Wer Thailand kennt, weiß was 10 Minuten bedeuten können. Um die Ausdehnung der 10 Minuten festzulegen, schaute ich auf die Uhr meines Handys und sagte ihr, wann genau ich losfahren würde. Nämlich in exakt 10 Minuten. Natürlich schmollte nun meine Frau, aber sie musste den weiten Weg nicht fahren und konnte während der Fahrt bei Bedarf auch schlafen. Nun kam Bewegung auf. Die Sachen wurden vom Pick-up abgeladen und zu den anderen Dingen gestellt. Die giftigen Blicke meiner Frau nahm ich in Kauf. Hauptsache wir konnten jetzt endlich losfahren. Die gesetzten 10 Minuten wurden zwar überschritten, aber endlich kam nun doch noch der Abschied von der Familie an die Reihe. Höflich verabschiedete ich mich und startete den Wagen. Meine Frau kam unmittelbar danach ins Auto und ich fuhr schleunigst los. Nun holte ich tief Luft und sagte mir innerlich, dass wieder ein Kapitel abgeschlossen sei. Im nächsten Dorf musste ich unvermittelt anhalten, da meine Frau unbedingt etwas zum Essen einkaufen wollte. Dabei handelte es sich um eine lokale Spezialität, die nur in diesem Dorf zu bekommen war. Langsam aber stetig kamen wir unserer neuen Heimat Chiangmai immer näher. Unterwegs rief unser neuer Nachbar aus Chiangmai auf meinem Handy an und berichtete, dass er die Hausschlüssel von der Vermieterin bekommen hätte. Ich erwiderte, dass wir auf dem Wege seien und uns sehr auf das neue Haus freuen würden. Da unser Auto voll beladen war, dauerte die Fahrt doch sehr lange. Insbesondere auf den bergigen Streckenabschnitten verloren wir viel Zeit. Unserem Auto fehlte es einfach an ausreichender Motorenleistung. Am späten Nachmittag kamen wir dann endlich an. Wir fuhren zu unserem neuen Nachbarn, um die Hausschlüssel abzuholen. Aber so schnell ließ er uns nicht gehen. Meine Frau unterhielt sich sofort mit seiner Frau, Tochter und Schwiegermutter. Ich plauschte mit ihm, war aber im Grunde zu müde um eine längere Unterhaltung zu führen. Nach gut einer halben Stunde drängte ich zum Aufbruch und wir verabredeten uns, in Kürze zusammen Essen zu gehen. Mit den Schlüsseln in der Hand fuhren wir die wenigen Meter zu unserem neuen Haus. Während ich den richtigen Schlüssel zur Haustür suchte, wollte meine Frau schon auspacken. Aber da kennt sie unsere deutsche Tradition nicht, dass der Mann seine Angetraute über die Schwelle des neuen Hauses trägt. Dies war so eine Situation, die sie nicht kannte. Aber ich nahm sie einfach an die Hand und trug sie über die Schwelle. Bei dieser Gelegenheit merkte ich erst, wie schwer sie war. Sie hat, obwohl sie nichts verstand, alles über sich ergehen lassen. Ich wollte mir nun zuerst noch einmal die Räumlichkeiten ansehen. Ich fragte sie, ob es ihr denn nun gefallen würde. Begeisterung war ihr nicht zu entlocken. Dafür gefiel es mir selber hier sehr gut. Wir begannen nun damit, unser Auto zu entladen. Platz hatten wir immerhin genügend. Ich nahm mir nur die wichtigsten Sachen für die nächsten Tage und räumte diese in die entsprechenden Räumlichkeiten ein. Alles andere hatte noch Zeit, um es später einzuräumen. Der Vormieter hatte, wie abgesprochen, den Kühlschrank und den Esstisch mit den vier Stühlen, da gelassen. Die Bezahlung sollte dann in den nächsten Tagen erfolgen. Außerdem überließ er uns das Modem für den Internetanschluss, für einen Monat. Somit konnten wir uns in Ruhe um einen neuen Internetanschluss kümmern. Da ich sehr müde war, bezog ich zusammen mit meiner Frau die Betten, um schlafen zu gehen. Meine Frau wollte unbedingt noch weiter aufräumen, aber das wollte ich nicht. So sind wir dann doch schlafen gegangen. Dies war also die erste Nacht in unserem neuen Haus. So richtig schlafen konnte ich allerdings doch nicht. Zuviel ging mir durch den Kopf. Irgendwann muss ich dann aber doch noch eingenickt sein. Am nächsten Morgen weckte uns der Sonnenschein. Ich fragte meine Frau, was sie denn geträumt hätte und ob sie gut geschlafen hätte. Eine richtige Antwort bekam ich nicht. Vielleicht war sie aber auch nur noch etwas müde. Ich stand auf und ging nach unten ins Wohnzimmer an meinen PC und schaute erst mal nach neuen E-Mails und was so in der Welt geschehen war. Danach rief ich den Nachbarn an und fragte ihn, wann wir heute losfahren würden, um die wichtigsten Geschäfte abzufahren. Ich wollte diese dann in meinem Navigationsgerät abspeichern. Wir hatten dies am Vortag kurz abgesprochen. Er meinte, wir könnten in einer Stunde, mit seinem Wagen, einem Pick-up, losfahren. Pünktlich standen wir bei unserem Nachbarn auf der Matte. Was die Pünktlichkeit betraf, hatten wir die gleiche Einstellung. Ein abgemachter Termin wird auch zur abgemachten Zeit wahrgenommen. Pünktlichkeit gehört nun einmal zu den Tugenden in Deutschland. Wir wurden herzlich begrüßt. Meine Frau redete auch gleich mit der Nachbarsfrau. So richtig hatten sie gar nicht mitbekommen, dass wir uns verabschiedet hatten. Ich installierte mein Navigationsgerät im Pick-up des Nachbarn und wir fuhren los. Man merkte gleich, dass dieses Fahrzeug einige Pferdestärken mehr unter der Haube hatte, als mein Auto. Mein Nachbar fuhr sehr forsch, die einzelnen Ziele an. Ich speicherte diese dann in mein Navigationsgerät ein. Die meisten Geschäfte haben wir uns auch von innen angesehen . Es waren insgesamt um die zehn Geschäfte und mein Kopf begann zu rauchen. Im Schnellverfahren sind wir kreuz und quer durch Chiangmai gefahren. Im Nachhinein kann ich sagen, dass diese Fahrt Gold wert war. Für die Fahrerei hatten wir ungefähr eine Stunde eingeplant, aber es wurden dann doch zwei Stunden daraus. Als wir wieder bei ihm zu Hause waren, fragten uns die Frauen, wo wir denn gewesen seien. Einstimmig sagten wir „wer nicht zuhört, kann es nicht wissen“. Wir hatten uns ja vorher von den Damen verabschiedet und dabei auch gesagt, was wir vorhatten. Da unser Nachbar in Kürze seine Tochter von der Schule abholen musste, verabschiedeten wir uns und stellten für die tatkräftige Unterstützung ein gemeinsames Essen in Aussicht.

Wir gingen wieder nach Hause. Ich fragte meine Frau, was wir nun tun sollten. Bevor sie überhaupt antworten konnte, war mir dies eigentlich schon klar. Sie würde sicherlich einkaufen wollen. So war es dann auch tatsächlich. Ich nahm mein großes Portemonnaie und wir fuhren los. In meinem Navigationsgerät gab ich den Supermarkt, den ich eben erst eingespeichert hatte, als Ziel an. Von unserer Wohnanlage aus führte eine einspurige Straße, die nach ca. 4 km in eine zweispurige Straße mündete und dann bis fast zum Zentrum ging. In ca. 1 km Entfernung läuft dazu parallel eine mehrspurige Straße, die dann direkt in das Zentrum und auch zum Flughafen geht. Im weiteren Verlauf ist sie dann als Ringstraße geführt. Wir selbst wohnen ca. 16 km vom Zentrum, das heißt von der Touristenhochburg entfernt. Auf dieser Parallelstraße sind die wichtigsten Geschäfte, die man fürs tägliche Leben benötigt, vorhanden. Das Anfahren der einzelnen Geschäfte ist manchmal nicht einfach. Man muss bis zu einem Kilometer weiter fahren, um einen U-Turn zu finden, damit man wieder zurückfahren kann. Hier will ich im Laufe der Zeit noch ein System finden, damit ich nicht so große Umwege fahren muss. Im Supermarkt angekommen begann meine Frau ihren Einkauf. Meiner Erfahrung nach scheinen Thais stets zu befürchten, dass sie demnächst Hunger oder Durst erleiden müssten. Unter diesem Aspekt kaufte auch meine Frau Unmengen ein. Und dies, obwohl wir nur zwei Personen sind und die Geschäfte täglich, von früh bis spät geöffnet sind. In Deutschland würde man solch ein Kaufverhalten als Hamsterkauf bezeichnen. Wir beluden schließlich unser Auto und fuhren nach Hause. Meine Frau fing nun an, alles in der Küche, bzw. in der Abstellnische, zu verstauen. Plötzlich rief meine Frau, ich solle sofort in die Küche kommen. Ganz aufgeregt zeigte sie mir in den Unterschränken Stellen, die massiv von Schimmel befallen waren. Außerdem stank dies extrem. Ich bat sie darum, sofort die Vermieterin anzurufen, damit diese sich den Schaden einmal ansehen würde, um ihn dann beseitigen zu lassen. Meine Frau wollte dies auf den nächsten Tag verschieben. Ich bestand aber auf einen sofortigen Anruf. Meiner Erfahrung nach können Thais unseren Drang nach einer zeitnahen Lösung meistens nicht verstehen. Da fallen schon einmal Sätze wie „ihr Farangs macht alles nur schwer“. Als sie trotzdem nicht anrufen wollte, machte ich ihr klar, dass ich dies auch notfalls selber mit der Vermieterin klären würde. Ihre Bereitschaft etwas zu unternehmen stieg damit zwar schlagartig, um dann in der Ausrede zu münden, sie hätte sie Handynummern der Vermieterin nicht. Daraufhin wählte ich auf meinem Handy die gespeicherte Nummer der Vermieterin und gab das Handy meiner Frau. Nach einem kurzen Gespräch willigte die Vermieterin ein, den Schaden am nächsten Tag um 9 Uhr zu begutachten. Also es geht doch! Ich nahm den Vorfall zum Anlass, das gesamte Haus auf evtl. weitere Schäden zu untersuchen. Als wir damit begannen, merkten wir erst, wie groß unser Haus eigentlich war und wie viele Türen und Fenster es hatte. Unser Notizzettel füllte sich immer weiter. Das Abwegigste, was mir erst bei genauerem Hinsehen auffiel, war der Umstand, dass das Fliegengitter in der Küche an der falschen Tür angeschraubt war. Außerdem öffnete sich die Küchentür zur falschen Seite. Meine Frau wollte mir allen Ernstes einreden, dass dies vollkommen in Ordnung sei. Nach einer nervenaufreibenden Diskussion sah sie letztendlich ein, dass dieses Fliegengitter doch an der falschen Tür montiert worden war. Meine Frau räumte danach die Küchenschränke wieder aus. Am nächsten Morgen, kurz nach 9.00 Uhr, kam dann die Vermieterin, zusammen mit einem Handwerker. Meine Frau zeigte den Beiden nun, was wir so alles an Mängel gefunden hatten. Die Vermieterin forderte über Handy, noch weitere Handwerker an. Der größte Diskussionsbedarf war in der Küche. Einer der Handwerker war scheinbar für die Türen zuständig. Er fuhr mit seinem Moped fort. Nach einiger Zeit kam er mit einer neuen Tür wieder. Was er damit wollte, war für mich auf den ersten Blick nicht erkennbar. Die Vermieterin ging nach ungefähr zwei Stunden, wobei zu erkennen war, dass sie den einzelnen Leuten gesagt hatte, was zu tun sei. Einer von ihnen war für die Küche zuständig. Er montierte alle Türen ab und lud sie auf seinen Pick-up. Die Handwerker diskutierten die ganze Zeit eindringlich mit meiner Frau. Mit meinen geringen Thaikenntnissen habe ich so gut wie nichts davon verstanden. Aufgrund der Gestik konnte ich in etwa erahnen, was ungefähr ablief. Ich hatte Zweifel, ob mir meine Frau alles so richtig erzählen würde. Ich musste es einfach so nehmen, wie es kam.

Fangen wir mal mit den Küchenschränken an.

Bei diesen sollte der Schimmel mit Schleifpapier entfernt und danach alles mit Farbe grundiert und gestrichen werden. Mit den Arbeiten sollte in ein bis zwei Tagen begonnen werden. Über die Dauer wurde, so wie es in Thailand üblich ist, überhaupt nicht gesprochen.

Und nun zur Küchentür und dem Fliegengitter.

Die Küchentür wurde abmontiert und in der richtigen Position wieder eingesetzt. Dabei wurde aber ein Nagel unten im Boden übersehen. Näheres später. Das an der falschen Tür angebrachte Fliegengitter wurde demontiert und an der richtigen wieder anmontiert.

Nicht schließende Fenster.

Der entsprechende Fachmann hat die Fenster, bzw. die Terrassentüren so weit es ging repariert und wollte in ein paar Tagen, wenn neue Scharniere zum Austausch der Defekten geliefert worden wären, wiederkommen, und sie einbauen.

Fehlende Abdeckungen bei den Bodenabflüssen.

Es wurden die einzelnen Größen der fehlenden Abdeckungen notiert. Diese sollten in ein paar Tagen eingesetzt werden.

Nachdem nun alles so weit geregelt war, verließen nach und nach die Handwerker unser Haus. Es wurde auch Zeit, denn wir hatten Hunger.
Wir fuhren also Essen. Nach dem Essen musste ich zum Markt fahren. Dies sollte zukünftig jeden Tag zum Ritual werden, da meine Frau immer etwas anderes frisches Obst oder Gemüse einkaufen wollte. Das mit dem Markt ist so geregelt, dass abwechselnd mal auf der Einen, mal auf der anderen Straßenseite der Markt stattfindet. In der Mitte verläuft ein Kanal. Wenn Markt ist, herrschen um dieses Gebiet herum chaotische Zustände. Jeder stellt sein Auto einfach ab, wo er will. Ganz schlimm sind die Mopedfahrer. Mit Mühe bleibt einer von drei Fahrbahnstreifen für den nicht am Marktgeschehen beteiligten Verkehr frei. Da es Lkw-Fahrer aufgrund ihres großen Gefährts besonders schwer haben, stellen sie ihr Fahrzeug auch schon einmal mitten auf die Abbiegespur. Ganz Freche stellen ihr Fahrzeug einfach mitten auf der Kreuzung, ab. Polizisten oder sonstige Ordnungsbeamte sieht man weit und breit nicht. Diese Zustände finden an fünf Tagen in der Woche statt. Mir graut es jedesmal, dort hin- oder auch nur vorbeifahren zu muessen. Als wir wieder zu Hause waren, beschäftigte sich meine Frau mit dem Einrichten unseres neuen Hauses. Ich war verärgert über unseren Vormieter. Hätte schon er alle Schäden der Vermieterin gemeldet, wäre jetzt alles in bestem Zustand. Also rief ich ihn auf seinem Handy an und stellte ihn zur Rede. Seine Rechtfertigung dazu war, dass er ja nur Kaffee gekocht hätte, den Gestank in der Küche zwar gerochen habe, aber ihm keinerlei Bedeutung geschenkt habe. Die anderen Dinge habe er nicht bemerkt. Ist schon komisch, dass man nicht merkt, dass eine Tür falsch herum aufgeht oder es aus dem Abfluss stinkt. Bei dieser Aussage erübrigte sich eine weitere Unterhaltung. Wir müssen uns dieser Situation eben einfach stellen. Es folgte die zweite Nacht in unserem neuen Haus und wir fühlten uns trotz der Widrigkeiten schon etwas heimisch. Am nächsten Morgen entschloss ich mich, eine Waschmaschine und einen Fernsehapparat zu kaufen. Wir fuhren also zu einem Elektrogeschäft und sahen uns verschiedene Waschmaschinen und Fernsehapparate der verschiedenen Hersteller an. Die Entscheidung für ein bestimmtes Gerät viel uns schwer. Im Endeffekt musste ich alles wieder alleine bestimmen. Wir kauften eine Waschmaschine mit 7 kg Trommelinhalt eines renommierten Herstellers. Ich bat meine Frau, dem Verkäufer klar zu machen, dass alle hier heute gekauften Artikel auch noch heute geliefert und angeschlossen werden sollten. Meine Frau brauste gleich auf. Sie meinte, dies würde nicht möglich sein. Sie sagte dies im Brustton der Überzeugung, als wenn sie in diesem Geschäft schon jahrelang Stammkunde gewesen wäre. Dennoch fragte sie den Verkäufer, auch wenn dies nur sehr widerwillig erfolgte. Zu ihrer Überraschung willigte der Verkäufer sofort ein. Da ich mich vorab informiert hatte, war dies für mich hingegen keine Überraschung. Nun stand nur noch die Wahl eines Fernsehapparates an. Obwohl wir in Berlin noch keinen Flachbildschirm hatten, sollte es hier schon einer werden. Meine Frau hatte die Vorstellung, einen sehr großen, also von ca 60“ zu bekommen. Dies musste ich ihr aber ausreden, da unsere finanziellen Mittel dafür nicht reichten. Also kauften wir einen 42“ LCD-Fernseher eines bekannten Herstellers. Danach schauten wir uns noch ein wenig im Geschäft um und kauften noch eine Mikrowelle und eine Kaffeemaschine. Nun drängte aber die Zeit, da die Sachen nur in einem bestimmten Zeitfenster angeliefert werden konnten. An der Kasse bezahlte ich dann mit meiner Kreditkarte. Für die Anlieferung gab ich der Kassiererin einem auf meinem Computer erstellten Lageplan mit genauer Adresse in Thai. Ich kannte aus eigener Erfahrung, wie schwer sich Thais mit der Suche nach einem Fahrtziel tun. Die Kassiererin sagte uns, dass die Leute gleich losfahren würden und wir nach Hause fahren sollten. Das taten wir dann auch. Kaum zu Hause angekommen klingelte es auch schon an unserer Haustür. Der Lieferservice war da. Die Lieferanten schlossen die Waschmaschine und den Fernseher an und erklärten meiner Frau die Funktionen der Geräte. Nachdem sie soweit fertig waren, bat ich meine Frau, dass die Lieferanten die leeren Kartons wieder mitnehmen sollten. Sie lehnte dies entschieden ab und meinte sie könnte die Kartons noch anderweitig gebrauchen. Außerdem sei es in Thailand nicht üblich, dass die Verpackungen mitgenommen würden. Nun hatten wir zwar einen Fernsehapparat, aber keine Satellitenschüssel mit dem dazu gehörigem Empfänger. Unser Nachbar wusste Rat und telefonierte mit einem entsprechenden Fachgeschäft. Es gab die Wahlmöglichkeit 99 oder 140 Programme zu empfangen. Bei der 140-Programm-Version gab es zusätzlich noch einige Sportkanäle. Ein deutsches Programmangebot, wie z. B. die Deutsche Welle, war mit dieser Schüssel und dem zugehörigen Empfänger allerdings nicht empfangbar. Die für meine Frau interessanten Thai-Fernsehkanäle hingegen schon. Da ich die wichtigsten Nachrichten im Internet lesen konnte, war für mich der Empfang der Deutschen Welle nicht wichtig. Die Monteure hatten den Auftrag, am nächsten Tag die Anlage zu montieren und den Fernseher entsprechend einzustellen. Eine Uhrzeit hatten wir allerdings nicht in Erfahrung bringen können. In Thailand gibt es keine Fernsehgebühr, da sich die Programme aus Werbung finanzieren. Einzig die Kunden von Pay-TV-Anbietern haben relativ hohe monatliche Gebühren zu erwarten. Für den Empfang der Free-TV-Kanäle ist nur eine einmalige Investition in eine Satellitenanlage notwendig. Bei einem Umzug ist es kein Problem, durch Techniker eine vorhandene Satellitenanlage an alter Stelle abbauen zu lassen, um sie an neuer Stelle wieder aufbauen zu lassen. Meine Frau packte zwischenzeitlich die Mikrowelle aus und stellte dabei fest, dass sich die Tür nicht richtig schließen ließ. Mir war klar, dass dies ein Garantiefall sei und das Gerät umgetauscht werden müsse. Meine Frau wollte mir einreden, dass in Thailand nichts umgetauscht werden könne. Woher sie diese Weisheit hatte, blieb mir ein Rätsel. In Thailand ist es so geregelt, dass innerhalb von sieben Tagen die Artikel, in dem Geschäft umgetauscht werden können, indem sie gekauft wurden. Danach werden sie dann als Garantiefall eingeschickt. In Chiangmai gibt es glücklicherweise Servicewerkstätten aller namhaften Herstellern. Am nächsten Vormittag kamen dann tatsaechlich die Monteure. Aber sie schafften es nicht, die Satellitenschüssel am Haus zu befestigen. Sie hatten kein brauchbares Werkzeug, wie z. B. eine vernünftige Bohrmaschine mit Steinbohrern dabei. Dass die Schüssel groß und schwer war, hätte ihnen immerhin bekannt sein müssen. Nun diskutierten sie mit meiner Frau und machten den Vorschlag, dass wir eine etwas kleinere Satellitenschüssel, mit einem geringen Aufschlag, nehmen sollten. Der Vorteil sei, dass wir dann 140 Programme sehen könnten. Dies war aber nicht in meinem Sinne. Aber zähneknirschend stimmte ich doch noch zu. Weiß man, was sie sonst noch alles am Haus zerstört hätten, bis die Satellitenschüssel endlich, wenn überhaupt, fest verankert gewesen wäre. Also fuhren sie erst mal los, um die neue Schüssel zu besorgen. Nach gefühlten Stunden kamen sie dann wieder zurück und gingen erneut ans Werk. Irgendwie fanden sie einen Platz, an dem sie diese dann endlich am Haus befestigen konnten. Laut ihrem Messgerät war auch tatsächlich Empfang vorhanden. Nun gingen sie daran, das Antennenkabel von der Schüssel zum Fernseher zu verlegen. Als dies nun alles erledigt war, erklärten sie meiner Frau die Bedienung. Da ich auch zukünftig keine Thaifernsehprogramme schauen wollte, interessierte mich dies nicht. Nach gut 1 ½ Stunden durfte ich bezahlen und die Monteure zogen ab. Meine Frau fing gleich an, mit der Fernbedienung des Fernsehgeräts durch die vielen Programme zu zappen. Da die Mikrowelle noch umgetauscht werden musste, fuhren wir noch einmal zum Elektrogeschäft. Da wir noch nichts gegessen hatten, wählten wir unser Restaurant als Zwischenstopp. Gut gestärkt lässt sich eine so wichtige anstehende Sache gleich viel besser bewerkstelligen. Im Geschäft angekommen nahmen die Dinge ihren Lauf. Der Umtausch der Mikrowelle verlief, wie erwartet, völlig reibungslos. Keine Rede mehr, dass in Thailand nichts umgetauscht würde. Im Anschluss durchstöberten wir noch etwas, das Warenangebot des Ladens. Ich dachte da insbesondere an Mikrowellengeschirr. Also gingen wir auf die Suche. Da dieses Geschäft sehr groß war, merkte ich schon nach kurzer Zeit, auf was ich mich da eingelassen hatte. Alle 10 cm blieb meine Frau stehen und sagte, Liebling das kaufen wir. Ein ums andere Mal musste ich sie auf ein vielleicht, irgendwann, später vertrösten. Natürlich fanden wir auch Sachen, die wir auch tatsächlich gebrauchen konnten, wie z. B. das eben erwähnte Mikrowellengeschirr, einen Ventilator, um nur einiges zu nennen. Als wir dann endlich an der Kasse alles bezahlt und im Auto verstaut hatten, war dieses mit Kartons gut gefüllt. Die Zeit verging wie im Fluge, und als wir zu Hause waren, kam zwischenzeitlich die Abenddämmerung zum Vorschein.

Erfahrungsberichte_Wolfgang_07-01
Erfahrungsberichte_Wolfgang_07-02

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Viele Grüße
Wolfgang und Kaek aus Sukhothai / Berlin
E-Mail: thaikunst@yahoo.de
Homepage: http://thaikunst.de.to/

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